Veränderungen im Ernährungsverhalten…

… des Menschen treffen auch auf Hunde zu. Die Domestizierung vom Wolf zum Hund ging offensichtlich insbesondere mit einer Umstellung auf stärkehaltige Nahrung einher. Das Forscherteam betont, dass diese Entwicklung beim Menschen und seinem besten Freund anscheinend sehr ähnlich war. Die Anzahl der Kopien dieser Gene variiert nämlich auch bei Menschen: Jene, deren Ernährung vor allem hoch an Kohlehydraten ist – wie Japaner, Europäer oder westliche Amerikaner – besitzen mehr dieser Kopien als Menschen, die sich stärkearm ernähren wie manche Volksstämme in Afrika.

Und auch wir Menschen haben uns auf sehr ähnliche Art den drastischen Veränderungen angepasst, seit sich die Landwirtschaft entwickelt hat“, sagt Axelsson. So, wie der Europäer aufgrund seiner evolutionären Entwicklung andere Ernährungsbedürfnisse hat wie der Neandertaler (der schlicht sterben würde, wenn er sich so ernähren würde, wie wir heutzutage) oder auch nur ein Asiate – um auf der gleichen evolutionären Zeitschiene zu bleiben -, mit dessen Ernährung Europäer langfristig nicht zurechtkommen, und umgekehrt.

Hund = Fleischfresser?

Der Hund ist – anders als der Wolf – keineswegs in erster Linie ein Fleischfresser. Ein Wolf würde auf Dauer bei einer Ernährung mit einem Anteil von 50% Fleisch & 50% Kohlehydrate nicht überleben können. Ein Hund durchaus – und das auch sehr gut. Das bedeutet nicht, dass man seinem Hund ab heute nur noch Reisbrei zu fressen geben sollte. Es heißt nicht, man dürfe ihn statt einer ausgewogenen Fleisch-Getreide-Gemüse- Ernährung oder einem hochwertigen Trockenfutter mit Schokoriegeln ernähren. Es bedeutet nur, dass der Hund durchaus und sehr gut mit Kohlehydraten leben kann, die der Wolf nicht vertragen kann.

Der Evolutionsbiologe Robert Wayne, der an der University of California in Los Angeles Hunde erforscht, ist hocherfreut über die von Axelsson veröffentlichten Forschungsergebnisse. Er wird häufig von Hundehaltern um Rat gebeten, die wissen wollen, ob sie ihre Hunde, wie Wölfe, vornehmlich mit Fleisch ernähren sollen, und ob Getreide schädlich sei für Hunde.

Die Ergebnisse von Axelssons Studien beweisen, dass Hunde anders sind als Wölfe und eine ‚wolfartige‘ Ernährung ihnen nicht entspricht. „Hunde und ihre Ernährungsweise haben sich gleichzeitig mit dem Menschen evolutionär entwickelt.“

* Die Forschungen wurden von einer unabhängigen Gruppe Genetiker, und zwar Evolutionsforscher durchgeführt: Es stand kein Lebensmittelkonzern dahinter, um Verschwörungstheorien gleich vorzubeugen. Leiter der Studien war der Genetiker Erik Axelsson (Science for Life Laboratory, Department of Medical Biochemistry and Microbiology, Uppsala University, 75237 Uppsala, Sweden), in Zusammenarbeit mit Broad Institute of Massachusetts Institute of Technology, die Harvard Universität in Cambridge, Massachusetts, die Grimsö Wildlife Research Station, Department of Ecology, die schwedische Universität of Agricultural Science, und dem Department of Forestry and Wildlife Management, Faculty of Applied Ecology and Agricultural Sciences, Hedmark University College in Norwegen).

Ich würde nicht beschwören, dass meine Hunde ein ordentliches Steak einer Portion Pommes wirklich vorziehen. Das ist, wie ich seit ein paar Tagen weiß, auch gar nicht mehr so schlimm: Da wurden neue Forschungsergebnisse eines schwedischen Genetiker-Teams veröffentlicht, aus denen hervorgeht, dass Hunde sich im Laufe der Jahrtausende ein Verdauungssystem angeeignet haben, das mehr Variationen verträgt und braucht, als das ihres direkten Vorfahren, des Wolfes.

Die Lieblings-Behauptung der Premium-Hundefutterindustrie und der extrem- BARFer, in jedem Hund stecke nun mal ein Wolf, denn seit Tausenden von Jahren sei der Hund genetisch vom Zahn bis zum Verdauungstrakt mit dem Wolf identisch und auf Fleisch ausgelegt, ist damit widerlegt.